089 Freibeuter und Frontlinien

Teilnehmer:

Werte Mitlanzinnen und Mitlanzen, werter Orden, werter Rat!

Mit großer Freude kann ich berichten, dass die im Süden ankernden Freibeuterschiffe der Kapitäne Semyaza und Eggara uns ihre Unterstützung in der Schlacht gegen die Schwarze Legion zugesichert haben. Des Weiteren sind alle fünf von uns wohlbehalten von dieser Expedition zurückgekehrt und wir konnten außerdem ein größeres Lager im Westen erspähen.

Wir begannen unsere Reise an einem halbwegs schönen Tag in Lichthafen, wo meine geliebte, frisch geteerte und renovierte Abendstern, mit ihrer neuen Reling und dem neuen Segel, bereits auf uns wartete; die stolze Meerjungfrau, die ihren Bug ziert, war bereit uns nach Süden zu bringen. Hafenmeister Neraxas stellte uns, im Auftrag des Lord Kommandanten, einige seiner persönlichen drakonischen Matrosen zur Verfügung, zwölf sehr geschickte Männer und Frauen vom Klan der Ebenklauen, angeführt von Kapitän Traxas. Der Kapitän, ein wortkarger, grimmiger, aber durchaus fähiger Mann, meinte, dass wir bei anhaltendem Wetter etwas länger als einen Tag brauchen würden um die Inseln, an denen die Freibeuter ankern, zu erreichen.

So gingen wir, zusammen mit der mit 500 Goldkronen gefüllten Holzkiste, die der Gouverneur den Freibeutern als Eröffnungsgeschenk darbieten wollte, bei leicht bewölktem Wetter an Bord. Bald schon konnten wir auf der Steuerbordseite die Dämonenreißerklippen ausmachen. Bis zur Nacht verlief unsere Reise ereignislos und wir übernachteten auf offener See. Mitten in der Nacht jedoch wurden wir allesamt von Glockenschlägen geweckt. Wir sprangen auf und stürmten an Deck, wo uns bereits ein starker Wind entgegen blies, der der Vorbote eines nahenden Sturms war. Da ich einiges an Erfahrung in der Seefahrt vorzuweisen habe blieb ich um Kapitän Traxas und seine Mannschaft zu unterstützen, während meine Mitlanzen wieder unter Deck geschickt wurden. Stundenlang wurde die Abendstern in einem extrem starken Sturm, wie ich ihn schon sehr lange nicht mehr gesehen habe, zwischen den Wellen hin und her geschleudert, aber wie das stolze Schiff, das sie ist, trotzte sie den Gezeiten, und irgendwann hatten wir es dann doch überstanden und konnten unsere wohlverdiente Rast einlegen.

Am Morgen wehte immer noch starker Ostwind und in der Ferne konnten wir weiter deutlich Donnergrollen hören. Durch den Sturm war das gesamte Schiff ziemlich feucht, und es war in keine Richtung irgendein Land in Sicht. Da der Himmel noch vollkommen bewölkt war, konnte Traxas leider nicht zweifelsfrei feststellen wo wir uns befanden und so mussten wir warten bis er wieder freien Himmel sehen konnte. Gegen Mittag lichteten sich die Wolken genug, dass er bestimmen konnte, dass wir durch den Sturm etwa einen halben Tag zu weit nach Osten geraten waren. Bis in die Dunkelheit segelten wir nach Westen, wo wir am Abend dann die Inseln erblicken konnten. Über Nacht ließen wir uns treiben.

Regen und Wind blieben uns auch am dritten Tag unserer Reise erhalten. Wir segelten noch etwa zwei bis drei Stunden auf die längliche Insel zu, welche nicht sehr groß war, an deren Südspitze sich aber ein kleines Dorf befand, das sich in eine Bucht duckte. Einige kleinere Rauchfahnen stiegen aus dem Dorf auf, und bisher konnten wir nur wenig Bewegung dort ausmachen. Ein kleiner, hölzerner Steg ragte ins Wasser hinaus, an dem mehrere Ruderboote vertäut waren. Etwas weiter draußen im Meer ankerte ein einzelnes Schiff, ein schlanker, schnittiger Zweimaster aus leicht dunkelgrünem Holz.
Als wir näher kamen hörten wir eine Alarmglocke vom anderen Schiff her, und wir hissten die notwendigen Flaggen um uns als Verhandler zu erkennen zu geben. Kapitän Traxas blieb an Bord der Abendstern, während für uns das Beiboot zu Wasser gelassen wurde. Zusammen mit der Kiste ruderten wir hinüber. Bald konnten wir Gestalten an Bord umhergehen sehen und wie Lichter angemacht wurden. Uns wurde eine Strickleiter hinuntergeworfen, über die wir an Deck des Schiffes gelangten. Oben wurden wir mit gezogenen Waffen von einer Besatzung unterschiedlichster Herkunft empfangen: sowohl Männer als auch Frauen, Menschen, einige Drakonier, Halborks, ein Elf, einige Halbelfen. Ein Mensch mit dunkler Hautfarbe, Kopftuch und zottigem Bart, in den einige Perlen geflochten waren, machte uns mit einer Handarmbrust klar, dass wir unsere Waffen ablegen sollten. Da es sich um Verhandlungen handelte war diese Forderung absolut verständlich, und wir reichten unsere Waffen nacheinander zurück hinunter ins Boot. Uns wurden die Hände gefesselt, was wir geschehen ließen, da zu viele Waffen auf uns gerichtet waren. Insgesamt hatten uns etwa eineinhalb bis zwei Dutzend Piraten umzingelt.  Als wir erklärten, dass wir mit Kapitän Semyaza persönlich reden wollten, lachte der Mann und fragte, was wir von dem Hurensohn wollten. Uns beschlich die Angst, dass wir uns aufs falsche Schiff verirrt hatten, aber außer abwarten konnten wir in dieser Situation nicht viel tun. Der Mann ließ dann den Kapitän des Schiffes wecken, und bald schon teilte sich die Menge vor uns für eine drahtige Halborkfrau, die am ganzen Körper Tätowierungen trug. Sie hatte langes, zerzaustes, rotes Haar; eines ihrer Augen war etwas fahl, und sie trug eine Halskette aus Meeresgetier. Ihre Kleidung war fein, aber pragmatisch, und sie trug einen Umhang, der wie aus Seetang gefertigt wirkte, sowie eine Axt aus Treibholz, deren Schneide aus einer gewaltigen Muschel bestand. Sie musterte uns und vollführte einige Gesten, wonach sie unsere magischen Gegenstände ausmachen konnte und ihrer Crew befahl sie uns abzunehmen. Bhalgrim weigerte sich sein Zauberbuch aufzugeben, weswegen sie meinte er solle dann im Beiboot auf uns warten. Der Rest von uns wehrte sich nicht, da es nicht dafürstand, und diese Geste eher vorsichtiger als böswilliger Natur war. Als sie schließlich zufrieden war, stellte sie sich als Kapitänin Eggara der Seehexe vor und identifizierte uns korrekterweise als Wildlanzen aus Lichthafen. Kapitänin Eggara erklärte, dass Semyaza und die Sturmwind zur Zeit unterwegs waren und sie an seiner Stelle mit uns verhandeln würde. Wir entspannten uns und wurden, bis auf Bhalgrim, alle immer noch gefesselt nach Achtern in ihre Kapitänskajüte gebracht. Hinter einem einfachen Tisch stand ein recht großer Sessel, in den sich Eggara setzte, und von der Decke hingen verschiedenste Pflanzen und auch Getier aus dem Meer, das sich in verschiedensten Stadien der Trocknung befand. Wir waren mit ihr allein, wurden aber von Wachen mit gezückten Waffen durch die Fenster vom Deck aus beobachtet. Im Laufe unserer Verhandlungen konnten wir erfahren, dass das Schiff, welches die Freibeuter am Delta des Thabo verloren hatten, die Schuppenklaue unter Kapitän Jishum Drachenhaut gewesen war (was auch die deutlich spürbare Spannung erklärte jedes Mal, wenn Eggara von Semyaza sprach: da Drachenhaut meinen Quellen nach der Anführer ihrer Gruppe gewesen war, dürften die beiden Kapitäne sich nun uneins sein wer von ihnen seine Nachfolge antreten sollte).
Zusätzlich zu den 500 Goldkronen Eröffnungsgeschenk des Gouverneurs wurde mit Kapitänin Eggara ausgehandelt, dass alle von ihnen in der Kolonie bisher begangenen etwaigen Verbrechen hiermit getilgt waren, und sie sich in Lichthafen, gemäß der dort herrschenden Gesetzgebung, frei bewegen dürfen. Des Weiteren würden die Freibeuter alles, was sie in der Seeschlacht mit der Schwarzen Legion erbeuten können, sei es Geld, Gegenstände, oder Schiffe, behalten dürfen, und jeder ihrer Krieger wird nach der Schlacht für seine Dienste 25 Goldkronen erhalten, jeder Kapitän 200. Weiters würde jedes Schiff, das sich jetzt und in Zukunft in ihrer Flotte befinden wird, einen Kaperbrief erhalten, der sie als Freibeuter im Dienste der Kolonie ausweist, und es ihnen erlaubt Schiffe, die nicht zu uns oder unseren Verbündeten gehören, rechtmäßig zu kapern. Nuntia Fo Realidas setzte den Vertrag auf, den Kapitänin Eggara behielt. Sie ließ uns dann aber noch nicht sofort gehen, sondern schenkte uns aus einer Flasche schwarzgebranntem Rum ein, welche sie uns dann für Gouverneur Gerumdson mitgab.
Im folgenden Plausch erfuhren wir außerdem, dass sich südlich der Festungsanlage der Legion auf der anderen Seite des Flusses die Ruinen der Stadt Curichimba befindet. Da Krozzax Eisauge auch der “Eroberer von Curichimba” genannt wird, liegt es nahe, dass seine Schiffe damals dort aus Drakonia ankamen. Eggara riet uns auch die Festung zu meiden, da es logischerweise eine sehr gefährliche Gegend war, und sie und ihre Leute auch schon mehrere geflügelte Bestien von dort hatten aufsteigen sehen.
Als wir uns dann verabschiedeten, bekamen wir alle unsere Gegenstände wieder. Die Freibeuter warten auf Meldung von uns (da Kapitänin Eggara die Clairdonai als Volk beim Namen kennt, wäre ein Bote von ihnen eine denkbare Möglichkeit). Kapitän Traxas und die Abendstern wollten wir vor zurück nach Lichthafen schicken um Meldung über das Ergebnis der Verhandlungen zu erstatten.
Zurück an Bord der Abendstern befragte Bhalgrim die Götter nach einem Zeichen wo wir denn am besten mit der Suche nach unserem zweiten Ziel dieser Mission anfangen sollten. Hierzu zeichnete er mit Kreide auf den Deckplanken grob die Küstenlinie hier im Süden nach und wirkte dann seine Magie. Erst geschah nichts, aber dann ließ eine kleine Maus an einer Stelle ein Stückchen Fleisch fallen. Glich man unsere Karten mit der Küstenlinie ab, so wiesen uns die Götter in den Wald nördlich des ehemaligen Gnolllagers, wo Magister Wahr nach Fos und meiner Entführung auch mein Amulett des Gegengifts geortet hatte, und unsere Kollegen auf einer Karte der Legion das Lager der Schattenklauen verzeichnet gefunden hatten. Wir beschlossen uns dem Lager im Wald von Süden aus zu nähern und segelten in die ungefähre Richtung der Salzseen, bis Kapitän Traxas aufgrund der Untiefen nicht näher wollte. Bhalgrim nutzte seine Magie um uns in Grüppchen fliegend zur Küste zu schicken. Leider verlief das bei keinem von uns wie geplant: Seth, Fo und Sóni mussten ihre Rucksäcke abwerfen um nicht im Meer zu versinken, und Bhalgrim und ich verflogen uns im Regen und es dauerte eine gute halbe Stunde bis wir uns wiederfanden. Bis zum Einbruch der Nacht gingen wir nach Westen weiter, vorbei an einem See mit steinig-sandigen Ufern zu unserer Rechten und noch einiges weiter ins Landesinnere. Fo zauberte uns für die Nacht eine grasfarbene Kuppel. Wir stellten Wachen auf, aber die Nacht verlief ereignislos.

Den vierten Tag unserer Expedition verbrachten wir, weiter bei Regen, Wind und anhaltender Kälte, mit der Reise weiter nach Westen über kniehohes Gras. Am Abend fand Fo wieder eine Mulde um die Hütte zu platzieren. Wie in der Vornacht verlief unsere Rast ohne Zwischenfälle.

Am fünften Tag ließ zumindest der Wind nach, auch wenn der Regen weiter unser Begleiter blieb. Den Vormittag lang hielten wir weiter nach Westen, bis am frühen Nachmittag der Wald, in dem wir das Lager vermuteten, sichtbar wurde. Mit zunehmender Nähe legten wir auch mehr Wert darauf unentdeckt zu bleiben. Wir erreichten den Wald etwa bei Einbruch der Dunkelheit und beschlossen in einer Baumgruppe versteckt mit unseren verbliebenen beiden Zeltplanen ein Lager aufzuschlagen um auch etwaige Patrouillen beobachten zu können. Davon gab es allerdings keine, und erneut verlief die Nacht ereignislos.

Nur mehr leichter Nieselregen begrüßte uns am wolkenverhangenen sechsten Tag, an dem auch die Sicht dadurch etwas eingeschränkt war. Wir machten uns im Inneren des Waldes weiter nach Westen auf. Fo und Sóni bahnten uns den Weg, bis wir nach etwa zwei Stunden auf einen tatsächlichen Weg stießen: er war gerade breit genug für einen Karren und sah ziemlich neu geschlagen aus. Wir fanden sowohl Wagen-, als auch Fuß- und Hufspuren in beide Richtungen, die frischesten vielleicht einen Tag alt. Wir bewegten uns abseits des Weges, aber weiter in Sichtweite, schleichend eine Stunde lang tiefer in den Wald hinein. Dann legten wir uns eine weitere Stunde lang auf die Lauer um wieder nach Möglichkeit Patrouillen oder ähnliches abfangen zu können, aber es tat sich nichts. So folgten wir dem sich durch den Wald schlängelnden Weg weiter, bis Bhalgrim und ich vor uns Stimmen hören konnten. Sóni schlich vor und kam nach zwei Minuten an den Rand einer Lichtung, in deren Mitte umgeben von einem etwa hüfthohen Erdwall mit angespitzten Pfählen sich ein Hobgoblin-Lager der Legion befand. Ein einziger Weg führte durch den Erdwall und wurde von einer Kavalleriesperre und mehreren ungefähr 1,60 m großen Hobgoblins in Schuppenpanzern und Umhängen blockiert. Ums Lager herum hielten auch einige Wache, immer so aufgestellt, dass sie sich gegenseitig im Blick hatten. Hinter dem Erdwall waren mehrere ordentliche Zelte in einem Kreis aufgestellt und boten Platz für insgesamt um die drei Dutzend Leute. Bei Sónis weiterer Erkundung, während derer Bhalgrim sie auch übers Lager fliegen ließ, konnte sie einen kleinen Wagen ausmachen im Lager, sowie einen inneren Kreis aus übereinander gestapelten, eine Mauer bildenden Kisten, aus dem es vier oder fünf Ausgänge gab, und in dem ein nach oben mit einem Netz abgehangener Bereich war. Der äußere Kreis maß etwa 150 m im Durchmesser, der innere Kistenkreis um die 30 m.
Nachdem Sóni zurückgekehrt war, rasteten wir kurz in gebührendem Abstand zum Lager und diskutierten unsere weitere Vorgehensweise. So flog dann Bhalgrim in unsichtbarer Gasform mit aktiviertem Scharfblick-Zepter erneut ins Lager und spähte in die Zelte; während eines mit mehreren Fässern und Kisten gefüllt war, standen in den meisten anderen mehrere Feldbetten und Rucksäcke, wo sich hier und da auch Hobgoblins aufhielten. In einem war nur eine einzelne Schlafstelle, dafür noch ein kleiner Tisch mit mehreren Schemeln und eine kleine Kiste. Als er unter den abgedeckten Bereich im inneren Kreis sah, erblickte er an einem Tisch zwei Hobgoblins an einem Tisch, einer davon in Halbplatte und ziemlich sicher der, der das Kommando im Lager hatte. Was er aber nirgends entdecken konnte waren Mitglieder der Schattenklaue.
Bhalgrim kehrte zurück und wir umrundeten das Lager nach Norden, mit etwa 100 m Abstand zu selbigem. Mittlerweile war es dunkel geworden und auch im Lager war kein Licht mehr an; die Wachen wirkten aber weiter sehr diszipliniert. Bhalgrim und Sóni schlichen unsichtbar ins Zelt des Offiziers, welcher nichtsahnend in seinem Bett schlief. Sie schlitzten ihm die Kehle durch und töteten ihn. Anschließend teleportierten sie sich raus und kehrten zu uns zurück. Als Fo gerade ungefähr 500 m vom Lager entfernt begann ihre magische Hütte zu zaubern, hörten wir Rufe aus dem Lager und beschlossen im Dunkeln noch ein Stück weiter nach Osten zu schleichen, ehe wir für die Nacht lagerten.

Nach einer ereignislosen Rast begann der siebte Tag mit warmem, sonnigem Wetter, und der schmerzlichen Erkenntnis, dass Bhalgrim und Sóni in der Nacht versäumt hatten die kleine Kiste aus dem Offizierszelt mitzunehmen. Da wir sonst keinen wirklichen Anhaltspunkt zum Aufenthaltsort weiterer Einheiten hatten und die Kiste wichtig erschien, schlichen wir um die Mittagszeit erneut Richtung des Lagers, Bhalgrim das letzte Stück wieder unsichtbar und alleine. Sofort fiel auf, dass die Soldaten angespannt wirkten und es deutlich mehr Bewegung im Lager gab. Sogar bei dem Schlitz im Zelt, durch den Bhalgrim und Sóni in der Vornacht gekommen waren, stand eine Wache und Trupps aus Hobgoblins patrouillierten im Lager hin und her. Bhalgrim konnte sich zwar ins Zelt schleichen, allerdings waren dort neben der einbandagierten Leiche des Offiziers auch zwei Wachen, und von der Kiste fehlte jede Spur. Als er beim Verlassen des Zelts ertappt wurde, hörten wir schon Rufe und machten uns bereit, aber er konnte entkommen und wir liefen gemeinsam ein ganzes Stück Richtung Nordosten.
Wir wurden nicht verfolgt, mussten uns aber der Tatsache stellen, dass uns durch den Verlust dreier Rucksäcke die Rationen so gut wie ausgegangen waren, und wir es weiter mit einer ganzen Menge an Gegnern zu tun hatten, die zwischen uns und der Information standen, die wir haben wollten. Zumindest ersteres Problem konnte Fo mit ein paar Stunden vorsichtiger Jagd und einem Reh so gut wie lösen, und so beschlossen wir dann dennoch nochmal zum Lager zu schleichen um zumindest mehr Informationen und einige tote Hobgoblins vorweisen zu können, wenn sich die Schattenklaue schon nicht blicken ließ.
Aber als wir uns diesmal näherten, gab es eine weitere Veränderung: im Norden des Lagers war eine große Gruppe Reittiere abgestellt, zwölf der bereits bekannten gesattelten Riesensteinböcke, sowie fünf Pferde. Schnell wurde uns bewusst, dass wir es nun mit knapp 50 Hobgoblin-Soldaten und aller Vermutung nach fünf Elitekämpfern der Schattenklaue aufnehmen würden müssen, wenn wir an die Kiste kommen wollten. Wir erkannten, dass unsere Chancen auf Sieg hier verschwindend gering waren und wollten nicht riskieren, dass der Feind Lichthafen wertvolle Kämpfer kosten würde, oder gar noch wertvollere Informationen durch eine etwaige Gefangennahme erhalten könnte, und zogen uns stattdessen unbemerkt zurück. Wir schlichen aus dem Wald in Richtung Nordwesten hinaus und legten einen Gewaltmarsch bis Mitternacht ein. In grob westlicher Richtung konnten wir viel Licht erkennen, etwas mehr als eine Tagesreise entfernt. Ansonsten verlief die Nacht ereignislos.

Der achte Tag war mild und klar, wenn auch leicht windig. In der Ferne im Westen sahen wir etwa ein Dutzend kleine Rauchsäulen, und wir beschlossen uns vorsichtig zu nähern um das zu erkunden. Am frühen Nachmittag waren wir nahe genug um große Gestalten ausmachen zu können, die vor uns die Ebene abgingen. Wir konnten um ein halbes Dutzend dieser sehr massiven Gestalten recht verteilt vor uns sehen. Sóni, die weiter vor schlich und näher an sie herankam, beschrieb sie als fast 3 m groß mit grau-bräunlicher Haut, gekleidet in einen lumpigen Überwurf und einen Lendenschurz. Sie führten grob gearbeitete Äxte, wirkten dümmlich, wenn auch sehr muskulös, und sahen ich im Gras um. Es bestand eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Oger, aber doch nicht so ganz. Eine knappe halbe Wegstunde hinter den Gestalten konnte Sóni ein größeres Lager ausmachen, das dort errichtet worden war.
Als die Kreaturen im Licht der untergehenden Sonne in ihr Lager zurückkehrten, schlichen wir alle gemeinsam näher. Im Lager wurden Lichter entzündet als die Nacht hereinbrach. Bhalgrim flog unsichtbar hin. Zu unserer linken befand sich ein recht großer See, an welchen sich das Lager schmiegte. Im Lager konnte Bhalgrim vier große Kastenwägen aus Holz ausmachen, sowie einen improvisierten Stall, der etwa eineinhalb bis zwei Dutzend Pferden Unterstand bot. Weiters gab es dort um die zwei Dutzend unterschiedlich große Zelte und mehrere große Gestalten, die um Feuer lagerten und aßen und sich auf Riesisch unterhielten. Eine Gestalt am größten Feuer fiel besonders auf, da sie bereits im Sitzen gut dreieinhalb Meter hoch war; sie hatte graue Haut und einen roten, feurigen Bart und trug eine glänzende Rüstung; neben ihr lag ein bestimmt viereinhalb Meter langes gewaltiges Schwert. Bei ihr saßen drei Gestalten in normaler Größe, die in schwarze Kapuzenmäntel gekleidet waren und weiße Masken trugen. Von der Beschreibung her erinnerten sie Seth sehr an die eine Person, die mit ihm gesprochen hatte als Fo und ich entführt worden waren.
Nachdem Bhalgrim zu uns zurückgeflogen war und berichtet hatte, machten wir uns auf den Rückweg.

Nach mehreren Tagen Fußmarsch erreichten wir schließlich den Pass der Freihändler, wo die Befestigungsarbeiten gut voranschreiten, und wir nach langer Zeit auch wieder einmal unseren ehemaligen Lanzenbruder William Kräuz erblickten. Allerdings scheint sich seine Haltung uns gegenüber weiterhin nicht gebessert zu haben.

Ich hoffe, dass die Informationen, die wir über die Lage des feindlichen Lagers zurückbringen konnten, besonders der Gruppe helfen können, die unter Kung-Loks Führung bald in den Süden aufbrechen will, und dass uns der Vertrag mit den Freibeutern die notwendige Hilfe sein wird, die wir bei dem, was kommt brauchen werden. Des Weiteren stelle ich mich, falls gewünscht, freiwillig als persönliche Leibwächterin zur Verfügung um einige unserer wichtigsten Persönlichkeiten in diesen gefährlichen Zeiten zu schützen.

Hochachtungsvoll,

Avery Riardonna Roberta

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