Epilog

Von allen Szenen der Schlacht hat sich eine besonders in das Bewusstsein Lichthafens eingebrannt: Während unsere Leute an der Front kämpften und starben, landete ein blauer Drache auf dem Platz zwischen dem Ordenshaus und dem Dicken Drachen und riss die dort befindliche Blide direkt vor den Augen vieler Zivilisten, die sich in den umliegenden Gebäuden verschanzt hatten, in Stücke. Schon jetzt wird dieser Ort im Volksmund ab und zu „Drachenplatz“ genannt, und jeder weiß, was damit gemeint ist. Die Trümmer sind schnell beseitigt worden – der Platz ist zu zentral, um Hindernisse zuzulassen, und die schweren Balken konnten bei den Reparaturarbeiten gut verwendet werden.
Ein Teil jedoch blieb liegen. Der mächtige Wurfarm der Trebuchet, siebzehn Schritte lang und mit Eisenbeschlägen verstärkt, fand keine Verwendung und lag seitlich am Platz. Es dauerte jedoch nicht lange, bis sich einige Bürger mit einer Idee an den Gouverneur wandten. Fast eine Woche später wird er, verankert durch das tonnenschwere Gegengewicht, am Platz aufgestellt. Von seiner Spitze, die sogar den neuen Aufbau des Ordenshauses überragt, flattert stolz der Silberne Streiter auf Schwarzem Grund der Kolonie.
Doch wer näher kommt, erkennt noch etwas: Dicht an dicht drängen sich Schriftzeichen an seiner Oberfläche. Der Text beginnt von unten spiralförmig nach oben zu fließen: „Aus Schwarzsee: Milizleutnant Perelog, Schmiedemeister – Milizionär Gerbert Stolzfuß, Töpfer – Milizionär Thelgur Stahlarm, Holzfäller…“ Die Buchstaben kriechen viel zu langsam den Masten hinauf, doch mit großer Mühe wurde sichergestellt, dass alle 1283 Namen darauf Platz finden. Davor ist ein schlichtes Tor mit einer kleinen Plakette angebracht, auf der zu lesen ist „Für unsere neue Heimat“.
Es vergeht kein Tag, an dem hier nicht frische Blumenkränze und Kerzen platziert werden.

Lichthafen steht noch, angesengt aber ungebrochen! Die Gefallenen werden beerdigt, die Überlebenden genesen langsam von ihren Wunden. Im Laufe der nächsten Wochen und Monate wird sich die Kolonie langsam erholen. Die Zerstörungen der Legion werden beseitigt. Bürger siedeln sich wieder in Schwarzsee an, wo die Felder prächtig gedeihen. Unter seiner Eminenz Gerumdson wird eine Kampagne begonnen, mit der man die Leistung des Ordens und aller Verteidiger nach Arbon trägt. Unterstützt durch die Gedichte und Gesänge von Nuntia Fo und des Meisters der Geschichten Llombaerth, welche sich in den kommenden Jahren weit verbreiten werden, und durch den Reichtum der Kriegsbeute werden die Kronen Arbons – vor allem die Kavals, Cyranis und Selvalons – davon überzeugt, dass Lichthafen mehr denn je ihre Unterstützung verdient. Gelder fließen, Soldaten erscheinen und eine gewaltige neue Siedlerflotte erreicht im Sommer die Neue Welt.

Es ist jedoch nicht alles im Guten: auf den nördlichen Ebenen erstarken die Ankheg, welche nun in großer Zahl auftreten, und beginnen in die Schuppenhöhen zu drängen. Einzelne Feuer-Genasi, die dem Tode nahe durch die Linien der Ungeheuer brechen, berichten von weiteren Kämpfen im Norden. Doch dies sind Dinge, welche die Kolonie nicht direkt betreffen. Die Bewohner von Schwarzsee und Lichthafen genießen den Frieden und gedeihen.

Die Kobolde des Onyxklans, unter ihrem Schamanen Ushka, ziehen sich wegen ihrer schweren Verluste und dem Fall des großen Kashak tiefer in ihre Höhlen zurück und werden kaum noch an der Oberfläche gesehen. Das Bündnis mit Lichthafen wackelt…aber hält.

Die Tabaxi-Stämme sowie die Sonnenhuf-Zentauren, zu geschwächt um in ihre alte Heimat zurückzukehren, siedeln sich permanent auf der Jägerebene an, wobei die Tabaxi auch langsam aber sicher in den Hornwald und die Nebelsümpfe vordringen. Dort kommt es zu kleineren Konflikten mit den Überresten der Orks, aber der stärkste Orkstamm, die Sumpfkatzen-Druiden, scheinen kein Interesse an Krieg zu haben und es wird ein wackeliger Friede, vom Temperament beider Seiten immer wieder auf die Probe gestellt, vereinbart.

Das Meervolk steht wie eh und je zu Lichthafen und baut in den kommenden Monaten ihre Verbindungen zur Kolonie immer weiter aus. Die Wiedererrichtung Silberstrands mit ihrer Hilfe ist ein großes Projekt, welches jedoch erfolgreich verläuft. In den Dämonenreißer Klippen, welche nun größtenteils sicher sind, werden Steinbrüche errichtet, welche Baumaterialien in die Kolonie schaffen.

Die Goliathe der Blauen Berge, von zwei Kriegen geschwächt, kümmern sich hauptsächlich um ihre eigenen Angelegenheiten. König Malok ist mit mystischen Studien beschäftigt, wobei ihm die letzten überlebenden Weisen Männer und Frauen assistieren, während Königin Inalai langsam beginnt etwas aufzuleben und einige Kontakte mit dem Volk Lichthafens pflegt.
Zahlreiche Bestien der Blauen Berge werden in den nächsten Monaten ausgeschaltet und mit der Errichtung von Minen wird begonnen.

Im Süden ist die Lage etwas unsicher. Man schafft es, mit Hilfe einiger überlebender Sonnenhufe, mit den Kindern des Grases, einem sanften Stamm von kleingewachsenen Zentauren, Kontakt aufzunehmen und Freundschaft zu knüpfen. Zusammen mit den Lichtelfen des Waldes, welche schon seit langer Zeit Verbündete der Kinder des Grases waren, wird begonnen Operationen gegen die Roten Goblins, welche die gewaltige Elfenstadt Syverandell immer noch in ihrem Griff halten, vorzubereiten.

Gleichzeitig stoßen Späher tief in die Steppe vor und nehmen Kontakt mit dem kriegerischen Zentaurenstamm der Sturmlanzen auf, welche bereits die letzten Gnolle in der Gegend ausgelöscht hatten und in brutaler Schlacht gegen die dritte Legion angetreten waren. Speerfürst Sehornin könnte sich zu einem wertvollen Verbündeten der Kolonie entwickeln.

Ebenfalls im Süden klammern sich die Überreste der Siebten Legion, immer noch einige hundert stark, an das gnomische Reich Lorimyn, welches sie versklavt haben. Andere Gnome, welche aus Lorimyn in die Sümpfe geflohen waren, werden kontaktiert, erweisen sich aber, angeführt von einem Magier namens Natalas, als eher feindselig. Im Gegenzug dazu sind die Echsenmenschen, welche ebenfalls diese Sümpfe bewohnen, friedlich und bereit zu handeln.

Rihat bleibt nach wie vor allen Fremden gegenüber feindselig, scheint aber immer mehr und mehr damit beschäftigt zu sein, ihre Grenzen gegen Gruppen von Untoten zu verteidigen, die aus den Hügeln unweit des Stadtstaates hervorkommen.

Und schließlich ist da noch Addanon, ein beeindruckendes wenn auch vom Konflikt mit der Schwarzen Legion geschwächtes Reich, welches am mächtigen Thabo Strom liegt. Auch mit den Herrschen ihrer Festungsstadt Ulasatra werden erste Kontakte aufgenommen.

Jenseits dieses Stromes liegt die gewaltige Ruinenstadt Curichimba, von der die Freibeuter berichten können… und wo sich noch manche Geheimnisse und Schätze verbergen mögen.

Die Schwarze Legion wird in den nächsten Wochen und Monaten nur durch Gerüchte und Geschichten vertreten. Im Kernland dieser Armee, weit im Westen, ist Krozzax nach wie vor auf Eroberungsfeldzügen, welchen nach und nach alle Reiche in der Nähe des Fernen Binnenmeeres fallen. Geschichten erzählen von einer gewaltigen Zitadelle, groß wie ein Berg, welche dort zu Ehren von Schwarzfaust erbaut wird. Und während die Aufmerksamkeit der Legion Lichthafen gewiss ist… so scheint es zumindest für die nächsten Jahre auf dieser Front Frieden zu geben.

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